Neuen Job finden

Im Beruf abgehängt?
Nö, dafür hab ich
zu viel drauf!

»Welche beruflichen Möglichkeiten haben Frauen wie ich, die alles unter einen Hut bringen müssen: Familie und Job? Was, wenn ich schon länger aus allem raus bin? Wie mache ich mich fit für den Wiedereinstieg?«

Und welche Möglichkeiten habe ich, mir etwas dazuzuverdienen, um mehr in die Altersvorsorge einzahlen zu können?

Die Soziologin Jutta Allmendinger bringt es auf den Punkt: „Frauen wollen eine Tätigkeit, in der sie sich sinnhaft entfalten, weiterentwickeln, Karriere machen können“, sagte sie in einem Interview mit dem „ZEITmagazin“¹. Und weiter: „Frauen wollen Kinder, aber nicht, wenn sie sich nicht um sie kümmern können“. Ein Spagat, der in der Praxis sicher nicht immer gelingt. Die Erfahrung zeigt: Wer eine Zeit lang aus der Arbeitswelt ausscheidet, tut sich danach oft schwer, wieder an seine früheren Karriereschritte anzuknüpfen. Doch die Aufgabe, sich erneut in der Arbeitswelt zu positionieren, birgt auch viele Chancen. Eine wichtige Regel lautet daher: zunächst den Jobmarkt sondieren und dabei vielleicht ganz neue Möglichkeiten entdecken – sei es durch eine Fortbildung oder ein Zusatzstudium, ein Quereinstieg in eine ganz andere Branche, eine Teilzeitbeschäftigung, eine selbstständige Tätigkeit oder ein Homeoffice-Job. Schließlich muss „Frau“ oft beides unter einen Hut bringen: Job und Familie.

1 ZEITmagazin Online: „Der Heiratsmarkt bezahlt Frauen besser als der Arbeitsmarkt“ (27.08.2017)

Kann ich mir meinen neuen Job etwa aussuchen?

In Deutschland arbeiten derzeit rund 15 Millionen Menschen in Teilzeit. Damit hat sich die Zahl der Teilzeitjobs in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt¹. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich teilweise verändert:

Jeder Arbeitnehmer, der mehr als sechs Monate Vollzeit in einem Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten arbeitet, hat grundsätzlich ein Recht auf eine Teilzeitstelle – es sei denn, die Tätigkeit eignet sich nicht für eine deutlich reduzierte Arbeitszeit.²

Eltern haben das Recht, bis zum vollendeten achten Lebensjahr ihres Kindes in Teilzeit zu arbeiten. Den Wechsel in Teilzeit kann der Arbeitgeber nur aus „dringenden betrieblichen Gründen“ verweigern.³

Zum Glück ist die Geschlechterbarriere für Bewerberinnen in den letzten Jahren niedriger geworden. Mehr noch: Arbeitgeber, die Bewerbungen von Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts ablehnen, verstoßen gegen das Gesetz und machen sich unter Umständen sogar schadensersatzpflichtig.4
Wer nach längerer Auszeit erstmals einen neuen Job auf Teilzeitbasis oder als Minijob sucht, wird in den Internetjobbörsen oder im Stellenmarkt der Lokalzeitungen fündig. Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor Vitamin B, denn viele Jobs werden in der Praxis durch Mund-zu-Mund-Propaganda vermittelt. Kontakte zu früheren Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten oder Verwandten helfen oft weiter als die Bewerbung auf ein Inserat. Darum sollten Kontakte in realen und virtuellen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn auch während einer beruflichen Auszeit gepflegt werden.

1 SPIEGEL Online: „15 Millionen Beschäftigte arbeiten in Teilzeit“ (28.04.2017)

2 Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Teilzeit -– alles was Recht ist. Rechtliche Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber“
(Stand: Januar 2016)

3 § 15 Absatz 7 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG)

4 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Wo gibt es Jobs, die auf mich warten?


Wenn es schwierig wird, auf Anhieb einen Teilzeit- oder Minijob zu finden, der dem eigenen Ausbildungs- und Karrierelevel entspricht, ist der Blick über den Tellerrand umso wichtiger. Denn in vielen Branchen stehen die Türen für Quereinsteiger offen. Manchmal ist ein Training-on-the-Job erforderlich oder eine kurze (Zusatz-)Ausbildung, etwa die im Einzelfall geförderte Weiterbildung zur Betreuungsfachkraft in Seniorenresidenzen oder Pflegeheimen, die in der Regel zehn Wochen dauert.

Einige Beispiele für Teilzeit- und Minijobs, die künftig gefragt sein dürften:

1

HANDEL

Der Einzelhandel hat durch die vielen Onlineshops in den letzten Jahren mächtig Federn gelassen. Ausnahmen: Fachverkäufer aller Art. Wer sich zum Beispiel für Ernährung interessiert, findet meist im Einzelhandel rasch einen Job – etwa als Fachverkäuferin für Spezialitäten oder als Beraterin in einem Bioladen. Manche Handelsketten oder Reformhäuser übernehmen sogar die Kosten für erforderliche IHK-Sachkundeprüfungen – etwa für die IHK-Prüfung über frei verkäufliche Arzneimittel.

2

SOZIALER BEREICH

Vor allem in der häuslichen und stationären Pflege steigt der Personalbedarf rasant. Dabei sind nicht nur Betreuer für Senioren gefragt, sondern auch Ergo- und Freizeittherapeuten, Organisatoren von Veranstaltungen und Ausflügen oder Vorleser. Je nach Pflegeeinrichtung können die Anforderungen an die Bewerber dabei sehr unterschiedlich sein. Erfahrungen im professionellen Sozial- oder Freizeitbereich sind in jedem Fall hilfreich. Der große Personalbedarf öffnet auch in anderen Sozial- oder Bildungseinrichtungen die Türen für Quereinsteiger – etwa als Sport- oder Kunstlehrer auf Honorarbasis an Grundschulen oder als Kursleiter für die breit gefächerten Bildungsangebote der örtlichen Volkshochschulen.

3

NON-PROFIT-BEREICH

Wer sich gern in der Öffentlichkeit für eine gute Sache stark machen möchte, findet bei einer der zahlreichen Face-to-Face-Spendenkampagnen einen Mini- oder Teilzeitjob. Dahinter stehen meist Menschenrechtsorganisationen, Umweltverbände, Tierschutzgruppen oder Einrichtungen, die in Katastrophen- und Kriegsgebieten aktiv sind. Neben dem guten Gefühl, etwas für Umwelt, Mensch oder Tier zu tun, sind die durchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten bei solchen Kampagnen trotz des Charity-Charakters akzeptabel (circa 10 bis 12 Euro/Stunde plus Provision).

4

PROMOTION- UND MESSEBEREICH

Wer in einer Messestadt lebt, sollte sich bei den Organisatoren der einzelnen Fachmessen nach Jobs erkundigen. Auch viele Aussteller suchen laufend oder saisonal nach Personal vor Ort. Wenn darüber hinaus persönliche Kenntnisse und Erfahrungen zu einem Messethema passen, findet sich meist noch leichter ein Job in diesem Bereich.

5

STADTFÜHRUNGEN

Sie kennen sich gut in Ihrer Heimatstadt aus, sind mit ihrer Geschichte und ihren Sehenswürdigkeiten vertraut? Dann könnte vielleicht auch die Aufgabe einer Fremdenführerin reizvoll sein. Wer zudem gern Kontakt mit unterschiedlichen Menschen und Kulturen hat und auch noch eine entsprechende Fremdsprache beherrscht, ist im Vorteil. Im Internet finden sich die Firmen und Organisationen, die regelmäßig Führungen für Touristen, Schulklassen oder Vereine veranstalten.

6

EHRENÄMTER

Ehrenämter wie Schöffe bei Gericht, Wahl- oder Flüchtlingshelfer sind zwar keine regelmäßigen Jobs. Aber ein willkommenes – und zudem meist steuerfreies – „Zubrot“ ist damit allemal verbunden. Außerdem erhält man Einblick in andere Lebenswelten und kann Erfahrungen sammeln, die später unter Umständen einmal in anderen Bereichen (zum Beispiel in einem Sozialjob) wertvoll sein können. Die Vergütung für eine Schöffin liegt bei circa 30 Euro pro Stunde Anwesenheit während der Gerichtsverhandlung – inklusive Erstattung des Verdienstausfalls aus einem anderen (Teilzeit-)Job. Eine extra Ausbildung ist dafür nicht nötig. Auskünfte erteilen die Rathäuser und Gerichte vor Ort.

7

TELEFONISCHE KUNDENBERATUNG

Callcenter-Jobs sind als „aufdringliche Losverkäufer“ verschrien – zu Unrecht. Denn die meisten Callcenter-Agents verkaufen gar nichts, sondern beraten vielmehr Kunden, die Fragen zu einem Produkt oder Vertrag haben. Banken, Versicherungen oder Inkassounternehmen bieten in der Regel bezahlte Seminare und Trainings-on-the-Job an. In diesen Branchen ist danach deutlich mehr zu verdienen als zum Beispiel im Callcenter eines Mobilfunkanbieters. Die meisten Callcenter-Jobs werden in Teilzeit oder auf Minijob-Basis angeboten.

8

HOMEOFFICE UND/ODER EIGENE KREATIVWERKSTATT

Wenn die Kinder eine regelmäßige Betreuung benötigen, ist an einen „normalen“ Job auf dem klassischen Arbeitsmarkt meist nicht zu denken. Selbst Teilzeittätigkeiten sind oft schwer mit dem Fulltime-Job als Mutter zu vereinbaren. Es sei denn, die Tätigkeiten können zu Hause ausgeübt werden wie etwa die Telefonberatung im Homeoffice, das Personal-Yogatraining oder Kreativleistungen wie Text- oder Grafikarbeiten. Darüber hinaus kann auch die eigene Werkstatt für kreative Produkte, die sich über Onlineplattformen wie zum Beispiel „Etsy“  vermarkten lassen, eine Alternative sein. Zudem bieten einige Unternehmen Tätigkeiten an, die von zu Hause aus am Bildschirm durchgeführt werden können, wie zum Beispiel Übersetzungen, Marktforschung oder – bei entsprechenden Vorkenntnissen – Tests neuer Softwarelösungen.

9

AUF EIGENE SOFT SKILLS ACHTEN

Studium und erste Berufserfahrungen sind das eine. Doch bei der Suche nach einem temporären Teilzeit- oder Minijob können auch Praxiserfahrungen aus dem privaten Lebensbereich hilfreich sein. Wer zum Beispiel ein bestimmtes Instrument beherrscht, als Sportskanone in einer bestimmten Disziplin glänzt oder mehrsprachig aufgewachsen ist, kann sein Wissen und seine Fähigkeiten mithilfe eines solchen Soft Skills eventuell im neuen (Teilzeit-)Job nutzen. Wer für die eigenen Soft-Skills etwas „betriebsblind“ ist, fragt gute Freunde danach und macht die eigenen Stärken zum Kapital. Wie Vera Jansen-Cornette. Sie beobachtete, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten damit haben, ihr Leben in Ordnung zu halten. Und machte ihre Leidenschaft 2016 zum Beruf. Als professionelle Aufräumerin gründete sie das „Berliner Büro für Ordnung“ – seitdem ist die professionelle Aufräumerin gern gesehener Gast in den Haushalten der Hauptstadt und auch in Talkshows und Ratgebersendungen.

10

WIEDER EINSTEIGEN – ODER LIEBER UMSTEIGEN?

Spätestens, wenn die Kinder älter werden, wird es für berufsorientierte Mütter darauf ankommen, wieder an die eigenen Qualifikationen anzuknüpfen – oder neue zu erwerben. Es lohnt sich also in jedem Fall, das persönliche Fachwissen aus Studium, Praktikum und ersten Berufserfahrungen rechtzeitig aufzufrischen und zu erweitern. So gesehen kann eine Ausbildung nach der Auszeit ein Weg zurück in die Arbeitswelt sein.

Im Zuge des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels nehmen sich Unternehmen vielleicht ein Beispiel an der BBBank. Sie bietet ein zweijähriges Ausbildungsprogramm zur Bankkauffrau für Wiedereinsteigerinnen an, zum Beispiel nach längerer Erziehungspause oder am Beginn einer neuen Lebensphase, und sucht dafür „Persönlichkeiten mit Lebenserfahrung und Freude am Umgang mit Menschen“, das Alter spielt dabei (fast) keine Rolle.  Das außergewöhnliche Programm stößt seit Jahren vor allem bei Müttern über 30 auf großes Interesse.

Auch ein Aufbaustudium oder eine andere berufliche Fortbildung schärfen das eigene Profil. Eine sinnvolle Spezialisierung erhöht die Chance auf einen gut dotierten Job. Bewerbungstrainer bereiten auf die optimale schriftliche Bewerbung und das Assessment-Center vor. Auch beim Neustart im Hauptberuf gilt: keine Strohfeuer entfachen, sondern besser eine langfristige Strategie entwickeln, die durch kluge Vorsorge Sicherheit bis ins hohe Alter garantiert.

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