Geschlecht, Gehalt und Rente

Ich bin top im Job,
verdiene aber weniger
als ein Mann?

Da mach’ ich nicht mit!

„Unglaublich, aber wahr: Beim Gehalt ziehen Frauen immer noch den Kürzeren. Diese Lohnlücke wird auch als Gender Pay Gap bezeichnet. Er wirkt sich unmittelbar auf meine Rente aus. Ich will wissen, wie der Gender Pay Gap entsteht – und was ich dagegen tun kann.“

Es gibt Hürden – aber auch eine Menge Möglichkeiten.

Gender Pay Gap ist leider noch immer ein Thema, das auch im Jahr 2020 nicht an Bedeutung verloren hat. Doch von wieviel „Gap“ sprechen wir eigentlich? Um genau zu sein, lag das durchschnittliche Bruttostundeneinkommen von Frauen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 um 21 Prozent niedriger als das der Männer, nämlich bei 17,09 Euro statt bei 21,60 Euro.¹  
Übrigens: Die 21 Prozent beschreiben den unbereinigten Gender Pay Gap. Dabei kommen alle relevanten Daten in einen Topf und werden allgemein miteinander verglichen. In Ergänzung dazu misst der bereinigte Gender Pay Gap den Verdienstabstand von Männern und Frauen, die vergleichbare Qualifikationen haben und in ähnlichen Berufen arbeiten. Diese Lohnlücke lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2014 bei 6 Prozent.² Auch hier kann also keine Rede von gleichem Lohn für gleiche Arbeit sein.

1/2 Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_098_621.html

Warum gibt es überhaupt eine Lohnlücke?

Für das Entstehen der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen sind laut dem Statistischen Bundesamt unterschiedliche Faktoren verantwortlich:
„Die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap sind, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird, und sie seltener Führungspositionen erreichen. Auch arbeiten sie häufiger als Männer in Teilzeit und in Minijobs und verdienen deshalb im Durchschnitt pro Stunde weniger.“¹
Frauen setzen vor allem für die Betreuung ihrer Kinder oder die Pflege älterer Angehöriger öfter im Job aus als Männer und kommen so auf weniger Jahre sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Diese Pausen sind ein Grund dafür, dass sich für Frauen beim Wiedereinstieg geringere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten ergeben. Wie stark strukturelle Faktoren das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen beeinflussen, zeigt ein Blick in die ostdeutschen Bundesländer: In der ehemaligen DDR gab es eine hohe Erwerbstätigkeit bei den Frauen. Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt auch daher in den neuen Ländern viel niedriger bei 8 Prozent.² Die Benachteiligung von Frauen setzt sich im Alter fort. Denn: Aus dem Gender Pay Gap ergibt sich nach dem Ende des Berufslebens ein erheblicher Gender Pension Gap. Laut einer Studie im Auftrag des Europaparlaments betrug dieser in Deutschland im Jahr 2016 satte 46,5 Prozent

1 Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_098_621.html

2 Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/genderpaygap-103.html

3 Quelle: http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2016/571363/IPOL_STU(2016)571363_EN.pdf,
Seite 28

Aufs Ganze gehen: Ich vs. Gender Pay Gap

Was kann man also tun, um als Frau die Lücke beim Gehalt und später bei der Rente zu reduzieren – oder zu schließen? Es ist wichtig, sich an der gesellschaftlichen Diskussion über Lohnungerechtigkeit zu beteiligen, traditionelle Rollenbilder in Frage zu stellen und Verbesserungen zu fordern. Darüber hinaus gibt es ganz konkrete Maßnahmen, die jede Frau in ihrem Berufsleben ergreifen kann, um das zu verdienen, was sie verdient.

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Adieu, falsche Bescheidenheit!

Mit der richtigen Einstellung fängt es an. Also: Selbstbewusst auftreten! Frauen sollten nicht darauf warten, dass Vorgesetzte ihre Talente von alleine bemerken. Es ist erlaubt, die Aufmerksamkeit auf sich und seine fachlichen Qualitäten zu lenken. Ganz wichtig: Die eigene gute Leistung nicht klein reden!

Ein Tipp für berufstätige Mütter: Sie sollten sich immer wieder klarmachen, zu wieviel Leistung sie täglich fähig sind – im Job und privat. Wer nach der Arbeit noch die Kinder meistert, kann ruckzuck Struktur in jedes Projekt bringen.

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Ich verkaufe mich nicht unter Wert

Wer die Kunst der Gehaltsverhandlung beherrscht, rückt dem Gender Pay Gap effektiv zu Leibe. Diese Dos und Don‘ts sollte man dabei beachten:

Den richtigen Zeitpunkt wählen:
Wenn die wirtschaftliche Lage des Unternehmens stimmt, hat die Frage nach mehr Gehalt gute Aussichten auf Erfolg.Passend ist das Timing auch, wenn man gerade einen Erfolg verbuchen konnte und zum Beispiel einen neuen Kunden für den Arbeitgeber gewonnen hat.

Das richtige Setting schaffen:
Mit der Tür ins Haus zu fallen, ist eine schlechte Idee. Besser ist es, den Chef oder die Chefin um ein Feedback-Gespräch zu bitten und darin das Thema Gehalt anzusprechen. Auch hier gilt es, die eigenen Leistungen selbstbewusst zu präsentieren und ihren Wert für das Unternehmen herauszustellen. Dazu sollte man sich im Vorfeld Notizen machen, um im Gespräch damit arbeiten zu können.

Diese Gesprächskiller vermeiden:
Unbedingt verzichten sollte man auf Argumente wie „Herr X bekommt das aber auch und mit Frau Y haben Sie das vereinbart.“ oder „Wir bauen und brauchen das Geld.“

Zielvorstellung parat haben:
Vor dem Gehaltsgespräch sollte man sein Kernziel festlegen und dann versuchen, 5 Prozent mehr zu bekommen. Auf keinen Fall sollte man es um mehr als 5 Prozent unterschreiten. Wenn nicht soviel rausspringt wie erhofft, kann man versuchen, andere Leistungen herauszuholen. Das können flexible Arbeitszeiten, eine Weiterbildung oder ein Dienstwagen sein.

Cool bleiben:
Bringt die Gehaltsverhandlung nicht das gewünschte Ergebnis, heißt es: Bloß nicht einknicken und einen schlechten Deal akzeptieren! Besser ist es, das Gespräch zu vertagen und anzukündigen, dass man hartnäckig bleiben wird. Am besten ist es, das Ganze sportlich zu sehen. Unterm Strich sind Gehaltsverhandlungen nämlich nichts Anderes als ein Taktikspiel.

Einen Plan B haben:
Bevor man mehr Gehalt fordert, kann man sich auf andere Stellen bewerben. Mit einer Jobzusage in der Tasche, verhandelt es sich gleich leichter.

Dranbleiben:
Alle 18 bis 24 Monate sollte man sein Gehalt neu verhandeln. Das Ergebnis am besten schriftlich festhalten.

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Ich weiß, worauf ich mich einlasse

Ein Arbeitsleben ist lang. Es ist deshalb eine gute Idee, sich für seinen Traumjob zu entscheiden. Es empfiehlt sich aber auch, im Vorfeld herauszufinden, welche Verdienstperspektive einen dort erwartet. Geld ist zwar nicht alles, aber das Gehalt hat trotzdem Einfluss darauf, wie glücklich man auf Dauer im Job ist – und mit wieviel Rente man später rechnen kann. Hier heißt es dann: abwägen und ehrlich zu sich selbst sein.

Informationen darüber, wie groß der Gender Pay Gap je nach Branche ausfällt, stellt unter anderem das Statistische Bundesamt bereit (siehe Kasten). Interessant: Laut Statistik ist das Verdienstgefälle im öffentlichen Dienst mit 9 Prozent weniger stark ausgeprägt als in der Privatwirtschaft, wo es bei 23 Prozent liegt.

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Ich weiß, was ich will

Sich die Rosinen herauszupicken, ist eine weitere Strategie, mit der Frauen den Gender Pay Gap in die Schranken weisen können. Insbesondere wenn sie Familie und Job unter einen Hut bringen möchten. Konkret kann das bedeuten, Unternehmen den Vorzug zu geben, die besser bezahlen oder die nicht nur auf dem Papier familienfreundlich sind, sondern dieses Versprechen auch leben.

Das kann sich in Kinderbetreuungsangeboten niederschlagen oder aber in der Möglichkeit, nach der Elternzeit statt in Teilzeit mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell wieder in den Job einzusteigen. Auch die Möglichkeit, sich eine Führungsposition zu teilen, bringt Frauen in der kontinuierlichen Entwicklung ihrer Karriere einen großen Schritt weiter.

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Ich muss das nicht alleine machen

Sich mit anderen Frauen auszutauschen, kann helfen. Wer niemanden hat, kann sich auch beispielsweise den Frauen-Berufsverbände kontaktieren (siehe Kasten). Die bieten oft Einzelberatung, aber auch Seminare über Karriereentwicklung für Frauen an. Holen Sie sich Hilfe.

Unsere ExpertInnen rufen Sie sehr gerne dazu an.

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